Vor allem Frauen können ein Klagelied davon singen: Brennen beim Wasserlassen, ständiger Harndrang, Schmerzen im Unterleib - Blasenentzündung! Antibiotika und Preisel-beeren sind keine Lösung, sagt die Krankenschwester Rosanna Piancone, gebürtig aus Como, aber seit Jahren wohnhaft in Bozen. Als Betroffene wurde sie zur Expertin in eigener Sache und plädiert nun dafür, die Ursachen der Entzündung zu bekämpfen, nicht die auslösenden Bakterien.

Jede zweite Frau kennt Blasenentzündungen (Zystitis). Männer sind deutlich weniger häufig betroffen, weil deren Harnröhre länger ist, außerdem liegt die der Frau näher an Scheide und Darmausgang. Und von dort gelangen Bakterien leichter in die Blase. Sie sind verantwortlich für eine Form von Blasenentzündung. Daneben gibt es aber noch andere Ursachen. “Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum es so schwierig ist, das Problem an der Wurzel zu packen und zu bekämpfen: Jede Zystitis hat ihre eigene Ursache - und muss in der Folge anders behandelt werden“, sagt Rosanna Piancone. Sie war jahrelang selbst betroffen und wurde ebenso lange erfolglos therapiert. Also machte sie sich selbst schlau und gibt heute ihre Erkenntnisse an andere Frauen weiter (eigene Meldung).Laut Piancone gibt es 4 Arten:

 

Die bakterielle Zystitis

Die klassische Blasenentzündung ist eine Reaktion auf eine Infekion durch Krankheitserreger. Durch die Entzündung, die die Schmerzen verursacht, versucht der Körper, den Eindringling unschädlich zu machen. Vor allem für die von Bakerien verursachte Zystitis sind Schmerzen beim Wasserlassen charakteristisch.

 

Asymptomatischen Bakteriurie

Bei der asymptomatischen Bakteriurie liegen harmlose Bakterien im Urin vor, die aber nicht in der lage sind, eine Entzündung auszulösen. In diesem Fall lieg keine Zystitis vor; folglich ist auch keine Therapie notwendig. “Diese Bakterien schützen uns vor aqgressiveren Erregern, die tatsächlich in der lage sind, eine bakterielle Zystitis hervorzurufen”, sagt Piancone.

 

Zystitis ohne Bakterien

Eine dritte Form ist die Zystitis ohne Bakterien. Die Blasenentzündung wird von nicht infektiösen Faktoren ausgelöst: Harnsteinen, Harngrieß, einem erhöhten Harnsäurespiegel oder anderen Ablagerungen. Auch in diesem Fall reagiert der Körper mit einer Entzündung - Schmerzen sind die Folge.

 

Nicht-Zystitis

Und schließlich gibt es noch die Nicht-Zystitis, die laut Piancone sehr verbreitet ist. Dabei liegen weder Bakterien noch eine Entzündung vor, sondern meist eine Vulvodynie: Schmerzen an den äußeren Geschlechtsorganen der Frau. Diese können auch in tiefere Bereiche der Scheide, der Harnwege, des gesamten Beckenbodens und des Analbereichs ausstrahlen. Die Ursachen dafür sind meist unklar, häufig handelt es sich um eine Überreaktion der Nerven, die schwer diagnostizierbar ist. “Häufig werden Frauen deshalb vertröstet oder die Schmerzen als psychisch bedingt abgetan”, weiß Piancone.

 

Herausfinden, worunter man leidet, kann jede Frau selbst - mit Hilfe eines einfachen Urin-Stick. Das sei zeit- und kostensparender als Laboruntersuchungen und verschaffe ebenso Klarheit, erklärt Piancone. “Der Stick ermittelt 11 Werte, von.denen Leukozyten und Nitrite am wichtigsten sind”. Bei einer Entzündung steigen die Leukozyten an, Nitrite im Harn weisen auf Bakterien hin. Folglich: Bei Vorliegen von Nitriten und Leukozyten liegt eine bakterielle Zystitis vor, nur Leukozyten deuten auf eine nicht-bakterielle Zystitis hin, nur Nitrite auf eine asymptomatische Bakteriurie, und liegen weder Nitrite noch Leukozyten vor, handle es sich nicht um Harnwegsprobleme, sondern um andere Ursachen, wie eine Vulvodynie.

Die gute Nachricht: Blasenentzündungen, auch wenn sie chronisch geworden sind, lassen sich behandeln - wenngleich nicht mit den herkömmlichen Mitteln: Antibiotika zerstören nicht nur die krankmachenden, sondern auch die schützenden Bakterien, sagt Piancone. “Sie schwächen unser Immunsystem, zerstören die Darmflora und fördern resistente Bakterien - sie schaffen also die Voraussetzungen für ständige Rückfälle”. Auch Preiselbeer-Extrakte seien nicht so gut wie ihr Ruf.” Entscheidend ist ein Wirkstoff, die Proantocianidine, die sich an die Bakterien heften und diese daran hindern, sich in der Blase festzusetzen. Allerdings enthalten nahezu alle Preiselbeer-Produkte zu wenig von diesem Wirkstof”, erklärt Piancone. Sie appelliert daran, nicht die Bakterien zu bekämpfen, sondern deren Ursachen, die vielfältig sein können . Auch für die Akut-Phase hat sie Tipps.

 

Von Dolomiten Samstag 13 Mai 2017