Nicht die Bakterien, sondern die Faktoren, dank derer sie in die Blase gelangen, müssen bei der Behandlung einer Blasenentzündung im Fokus stehen, erklärt die Krankenschwester Rosanna Piancone, die von der Betroffenen zur Expertin in dieser Sache wurde.

 

Glykosaminoglykane (GAG)

Glykosaminoglykane (GAG), aus denen die körpereigene Schutzschicht der Blaseninnenwand gebildet wird, sorgen dafür, dass Bakterien und andere irritierende Substanzen nicht auf die sensible Blasenwand treffen. Ist diese Schutzschicht beschädigt – aufgrund eines genetischen Defektes oder ständiger Entzündungen - müssen GAG über Präparate zugeführtwerden, um die Blaseninnenwand zu stärken.

 

Scheidenflora im Ungleichgewicht

Die bakteriellen Erreger einer Blasenentzündung können auch aus der Scheide in die Blase gelangen. Die Scheidenflora besteht aus ,guten" Bakterien - Laktobazillen – und ,,bösen" Bakerien - E-Coli, Kebsiella oder Enterokokken -, die sich in einem perfekten Gleichgewicht befinden. Nehmen die Laktobazillen allerdings ab, gewinnen die kankmachenden Bakterien die Oberhand und dringen auch in umliegende Organe ein. Aufschluss über den Zustand der Scheidenflora gibt der ph-Wert: Laktobazillen erzeugen nämlich Milchsäurebakterien und folglich ein saures Milieu. Ein ph-Wert zwischen 3,5 und 4,5 zeugt von genügend Laktobazillen, ein Wert von über 5 hingegen von zu wenig - sie müssen dann zugeführt werden. Der ph-Wert kann mit einem einfachen Stick selbst gemessen werden.

 

Intimhygiene

Es klingt vielleicht verstörend, aber die beste Hygiene ist jene ohne Seife. Die gängigen Intimpflegeprodukte schädigen nämlich die ,,guten" Bakterien und die Scheidenflüssigkeit, die verschiedenste Substanzen zur Bekämpfung von Krankheitserregern enthält. Damit rauben sie dem Körper einen wichtigen Schutz gegen Krankheitserreger. Auch feuchte Handtücher sind ein Sammelbecken für Bakterien. Benutzen Sie deshalb für die Intimhygiene am besten saugfähiges Küchenpapier.

 

Kleidung

Synthetische und stark gefärbte Wäsche irritieren die Haut, ebenso enge Hosen und Monatsbinden. Greifen Sie deshalb lieber zu Wäsche aus Baumwolle, in neutraler Farbe und möglichst zu waschbaren Baumwollbinden.

 

Geschlechtsverkehr

Weil beim Geschlechtsverkehr Bakterien in die Harnröhre gelangen können, wird die Blasenentzündung auch augenzwinkernd Flitterwochen - Blasenentzündung genannt - weil vor allem junge und sexuell aktive Frauen häufig darunter leiden. Auch bei unzureichender Befeuchtung der Scheide und/oder mangelnder Erregung kann Geschlechtsverkehr eine Blasenentzündung verursachen: In den dabei häufig entstehenden kleinen Verletzungen finden Bakterien ein ideales Feld, um sich anzusiedeln und zu vermehren. Deshalb tritt eine Entzündung oft 24bis 48 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr auf. Ein Gleitmittel und/oder die Einnahme von D-Mannose (eigene Meldung) für 24 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr können Abhilfe schaffen.

 

Säurewert des Harnes

Ein erhöhter Säurewert des Harnes schädigt die Harnwege. Deshalb muss der Harn alkalisiert also der ph-Wert erhöht, werden - durch Mineralsalze wie Magnesium, Kalium und Bicarbonat, am besten in Form von Citraten, da diese die Bildung von Kristallen, Steinen und Ablagerungen verhindern.

 

Harnstau oder Restharn

Harnstau oder Restharn in der Blase: Wird die Blase nicht vollständig entleert, finden Bakterien im verbliebenen Restharn einen idealen Nährboden. Ein Harnstau kann körperliche Ursachen haben, aber auch ,,selbst verschuldet" sein: Um nicht öffentliche WCs benutzen zu müssen, schieben viele den Toilettengang auf, um sich im eigenen stillen Örtchen zu erleichtern. Das fördert die Bakterien in der Blase. Diese kommen nicht von außen, sondern vom eigenen Körper, dem Analbereich oder der Scheide. Viel trinken hilft dabei, die Blase konstant durchzuspülen und einen Harnstau zu verhindern.

 

Verspannter Beckenboden

Der Beckenboden besteht aus mehreren Muskelschichten, die die Körperöffnungen umschließen. Sind diese Muskeln verspannt überträgt sich das auf Harnröhre, Scheide und Aftet die in ihrer Funktion eingeschränkt werden. Die Folge sind Schmerzen beim
Geschlechtsverkehr Harnverhaltung und Verstopfung. Linderung verschafft eine aktive Entspannung des Beckenbodens durch Massagen, Wärmeanwendungen oder Magnesiumgaben.

 

Wechseljahre

Der Östrogenmangel führt häufig zu Beschwerden im Vaginal-bereich, die Schleimhäute im Genital- und Urinal-bereich werden anfälliger für Infektionen. Die Wiederherstellung des hormonellen Gleichgewichtes, die Erhöhung des vaginalen ph-Wertes und die Unterstützung der vaginalen Mikroflora durch Laktobazillen können Abhilfe schaffen. Dafür gibt es bioidentische Hormone, Vaginalcremes und entsprechende Milchsäureprodukte.

 

Andere auslösende Faktoren

Kälte, Hitze, Schwimmbad – und Meeresaufenthalte, Reisen, Sport Ernährung, Menstruationszyklus, Dehydrierung können weitere Ursachen sein. Das Zusammentreffen mehrerer Faktoren sorgt für immer wiederkehrende Entzündungen. Diese Faktoren zu erkennen, hilft Entzündungen zu vermelden.

 

Von Dolomiten Samstag 13 Mai 2017